»Aufbrechen« von Jeannette Gusko

Werbung. Herzlichen Dank an den Atrium Verlag für das Rezensionsexemplar.

Der Ausgangspunkt in Jeannette Guskos Werk »Aufbrechen« besteht in der Hervorhebung der Bedeutung von »Transformationskompetenz« in einer Welt, die von kontinuierlichem Wandel geprägt ist. Die Verfasserin definiert diesen Terminus als die Fähigkeit, sich flexibel und erfolgreich auf neue Herausforderungen einzustellen, Veränderungen zu bewältigen und kreativ mit Unsicherheiten umzugehen. Dabei legt sie besonderen Wert darauf, dass Personen, die grundlegende Umbrüche in ihren Biografien erfahren haben, oft über besonders ausgeprägte Transformationskompetenzen verfügen. Die Autorin erläutert nicht nur diese Kompetenz, sondern präsentiert überzeugend ihre Relevanz innerhalb unserer Gesellschaft.

Gusko illustriert dies beispielhaft an Gruppen wie Menschen mit Migrationshintergrund, Personen, die soziale Klassenunterschiede überwunden haben (beispielsweise Akademiker, die in einfachen Verhältnissen geboren wurden), und Menschen, die einen fundamentalen gesellschaftlichen Wandel erlebt haben (insbesondere Ostdeutsche). Sie verdeutlicht, wie diese Individuen durch ihre Erfahrungen die Fähigkeit entwickeln, sich flexibel an neue Gegebenheiten anzupassen und Veränderungen konstruktiv zu bewältigen. In diesem Kontext betont die Autorin die Notwendigkeit, Transformationskompetenz stärker in den Mittelpunkt zu rücken, Hürden abzubauen und diesen Personen mehr Verantwortung zu übertragen. Dies könnte positive Auswirkungen auf die Gesellschaft als Ganzes haben. Gusko überzeugt in ihrer Argumentation, dass eine Gesellschaft, die Transformationskompetenz fördert und nutzt, insgesamt widerstandsfähiger und anpassungsfähiger wird.

Bemerkenswert sind auch die persönlichen Einblicke, die die Autorin gewährt. Als Kind ostdeutscher Eltern, die über die Prager Botschaft in den Westen geflohen sind, teilt Gusko ihre eigenen Erfahrungen und integriert sie geschickt in die theoretischen Konzepte des Buches. Diese persönliche Note verleiht dem Werk Authentizität und macht es zugleich greifbar für Leserinnen und Leser, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Dennoch liegt in dieser Vorgehensweise die potenzielle Schwachstelle des Buches: Die Autorin neigt dazu, von ihren eigenen Erfahrungen und denen ihres persönlichen Umfeldes auf das Allgemeine zu schließen. Trotzdem sind es interessante Gedanken, denen ich größtenteils zustimme.

Insgesamt bringt »Aufbrechen« viele meiner bisherigen, jedoch nicht explizit formulierten Überlegungen auf den Punkt. Das Buch regt dazu an, eine Diskussion zu initiieren und das bislang ungenutzte Potenzial der Transformationskompetenz zu erkennen. Der Inhalt des Buches inspiriert zum Nachdenken. Gusko präsentiert nicht nur ihre Analyse, sondern bietet auch konkrete Handlungsempfehlungen für Individuen und die Gesellschaft. Ihr Aufruf, Transformationskompetenz bewusst zu fördern und anzuwenden, stellt einen bedeutenden Beitrag zur aktuellen gesellschaftspolitischen Debatte dar.

Zusammenfassend kann ich »Aufbrechen« ohne Vorbehalte jedem empfehlen, der sich für gesellschaftspolitische Entwicklungen und Lösungsansätze für die Herausforderungen der heutigen Zeit interessiert. Die klare Struktur, die gut verständliche Sprache und die praxisnahen Beispiele machen das Buch gleichermaßen für Experten und Laien zugänglich. Jeannette Gusko trägt mit diesem Werk maßgeblich zur Diskussion über die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft bei.

Klappentext

Zukunft ist das Ergebnis dessen, was wir heute beginnen.
Transformationskompetenz ist die wohl größte ungehobene Ressource für unsere Zukunft. Wandlungserprobte Menschen, wie Wende-, Migrations- oder Arbeiterkinder, haben große Umbrüche erlebt und damit eine Kompetenz erworben, die unsere Gesellschaft für die Zukunft handlungsfähig machen kann. Eine Superkraft, die bislang aber meist unerkannt geblieben ist, oft sogar von den Menschen, die sie in sich tragen. Doch wenn es uns gelingt, diese Ressource zu heben, setzen wir eine ungeahnte gesellschaftliche Kraft frei – und können den nötigen großen Transformationen unserer Zeit gemeinsam optimistisch entgegensehen.

Bibliografische Angaben

ISBN: 978-3-85535-144-2
Verlag: Atrium Verlag
Erscheinungsjahr: 12.10.2023
Seiten: 128, Taschenbuch

Über die Autorin

Jeannette Gusko, 1984 in Ost-Berlin geboren, hat Wirtschaftskommunikation und Kommunikationsmanagement in Berlin und Leipzig studiert. Sie ist Konferenz-Speakerin, Fernseh-, Radio- und Print-Kommentatorin sowie Autorin. Gusko ist darüber hinaus Sprecherin des Netzwerks 3te Generation Ost und hat u. a. die Plattformen für gesellschaftlichen Wandel Change.org und GoFundMe in Deutschland mit aufgebaut. Heute arbeitet sie als Geschäftsführerin der gemeinnützigen Recherche-Organisation Correctiv. Jeannette Gusko wurde mehrfach für ihre Arbeit ausgezeichnet.

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"Es gibt nur einen Weg, um Kritik zu vermeiden: Nichts tun, nichts sagen, nichts sein" Aristoteles

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