In Schopenhauers Gegenwart – Michel Houellebecq

In Schopenhauers Gegenwart von Michel Houellebecq, erschienen 2017 im Dumont Verlag

Ein schönes Hardcover-Buch mit dickem Papier, einem Lesebändchen – und man staune – nur 80 Seiten. Ein nicht so bekannter Roman des Autors? Nein! Es ist ein Essay.

Das Verhältnis zwischen der Literatur und Philosophie war schon immer ein besonderes. Es gibt philosophische Werke, die sind Literatur – und Literatur, die ist philosophisch. Was liegt also näher, als wenn sich Houellebecq, der mürrisch wirkende Schriftsteller sich mit dem Philosophen auseinandersetzt, der ebenfalls als mürrischer Zeitgenosse bekannt war: Schopenhauer. Doch die beiden verbindet mehr, schwingt doch in beider Werke stets ein Hauch von Traurigkeit mit.

Zurück zum Buch: Von den 80 Seiten sind gefühlt gerade einmal 40% Houellebecqs eigene Worte, der Rest entstammt Schopenhauers Feder. Doch die Zitate werden von Michel Houellebecq interpretiert und kommentiert. Er spannt den Gedankenbogen Schopenhauers bis in unsere Zeit. Teils wirken seine Gedanken fast überspannt, aber dennoch nachvollziehbar. Auch wenn man das auf andere Weise interpretieren kann.

Houellebecq schildert sein erstes Lesen von Schopenhauer als Wendepunkt, ja Erweckung: »Und dann brach innerhalb weniger Minuten alles zusammen.« Er schreibt über Schopenhauer: »Als einziger unter den Philosophen seiner Zeit wird er kühn ins Reich der Autoren, der Musiker und der Bildhauer vordringen.« Die Bewunderung ist deutlich herauszulesen – und die Parallele erkennbar: So ähnlich macht Houellebecq es auch. Denken wir doch an »Karte und Gebiet«, welches das Selbstportrait eines Malers ist und Houellebecq übt sich auch in anderen Künsten: Er ist Musiker, wenn er seine Gedichte vorträgt, klagend als Sänger. Als Fotograf unterlegt er seine Geschichten (Lanzarote) mit eigenen Fotos.

Fazit: Ich bin begeistert, aber dennoch kann aufgrund der Thematik keine allgemeine Leseempfehlung ausgesprochen werden. Das ist keine (hohe) Literatur zur Unterhaltung. Ein starkes Interesse an Philosophie muss vorhanden sein, um dieses Essay genießen zu können.

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"Es gibt nur einen Weg, um Kritik zu vermeiden: Nichts tun, nichts sagen, nichts sein" Aristoteles

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