Der Dritte – Walter Laufenberg

Werbung. Herzlichen Dank an den Salon Literaturverlag für das Rezensionsexemplar.

Als ich auf der Leipziger Buchmesse unterwegs war, fühlten sich meine Füße irgendwann schwer an und ich hielt Ausschau nach einem nicht überfüllten Espresso-Stand, an dem ich mich einfach nur hinsetzen konnte. Plötzlich fiel mir in einem abgelegenen Seitengang ein Cover ins Auge, das mich anlachte. Es war so unscheinbar, dass es sich deutlich von dem ganzen Trubel abhob. Ich musste es mir genauer ansehen.
»Der Dritte« lautete der Titel, und darunter stand in kleineren Buchstaben: »Seine pränatale Biografie et cetera pp.« Mit einen Schlag war ich wieder topfit.
Zuerst sprach mich die Einfachheit des Covers an, das aus der Nähe betrachtet nicht mehr schwarz, sondern sehr dunkelbraun war. Doch es war der Untertitel, der mich wirklich neugierig machte. Als ich dann begann, in das Buch hineinzulesen, konnte ich einfach nicht mehr aufhören. Der Autor hat einen wunderbaren Erzählstil, der mich sofort gefangen nahm.
Dank des netten Herrn Westner vom Salon Literaturverlag durfte ich den Stand schließlich mit einem Rezensionsexemplar verlassen. Doch ich bin sicher, ihr wollt jetzt endlich etwas über das Buch erfahren.

Der Titel, besser gesagt der Untertitel von »Der Dritte« verspricht nicht zu viel. Von Anfang an wird klar, dass dieser Roman weit mehr ist als nur die Geschichte des Autors. Tatsächlich beginnt die Erzählung »pränatal«, noch bevor der Autor das Licht der Welt erblickt. Hier wird eine Jahrhundert-Familiengeschichte aufgedeckt, die so viele Facetten und fesselnde Elemente enthält, dass man gar nicht anders kann, als vollkommen in ihren Bann gezogen zu werden.

Das Buch führt uns über Leben der (16!) Ururgroßeltern des Autors, anfangs noch eher vage beschrieben, da sein Wissen dazu mündlich von seiner Mutter überliefert wurde, bis in die Gegenwart. Die Mutter, ja zu der hat der Autor oder sein Ich-Erzähler – denn wir können nie genau sagen, was Dichtung und Wahrheit ist – eine ganz besondere Beziehung.

Am Ende des Romans, anlässlich der goldenen Hochzeit seiner Eltern, begegnen wir dem jüngsten Familienmitglied, dem pubertierenden Enkel des Autors. Dessen amüsante Gedanken und auch die der anderen Anwesenden werfen frische Blickwinkel auf die Geschichte.
Obwohl man »Der Dritte« vielleicht als einen Familienroman bezeichnen könnte, widersteht er den klassischen Merkmalen dieses Genres. Es ist kein monumentales, chronologisch erzähltes Werk. Stattdessen spielt Laufenberg geschickt mit verschiedenen Perspektiven und verbindet das Schicksal eines jedes seiner Ahnen mit seinem eigenen Leben.

Nach kurzer Zeit wird klar, warum der Titel »Der Dritte« gewählt wurde – der Autor selbst ist der ungeplante drittgeborene Sprössling. Doch das ist nicht alles, was dieser Roman zu bieten hat. Es gibt noch eine weitere wichtige Figur in der Geschichte, die treue Lebensgefährtin der Mutter: die Nähmaschine. Mehr möchte ich hier jedoch nicht verraten, denn das Buch steckt voller überraschender Wendungen und enthüllt nach und nach seine Geheimnisse.

Fazit:
»Der Dritte« hat mich dank des einmaligen Erzählstils von Walter Laufenberg bestens unterhalten. Seine Fähigkeit, eine so komplexe Familiengeschichte zu verweben und den Leser mit verschiedenen Perspektiven zu fesseln, ist bewundernswert. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der nach einer mitreißenden und intelligenten Lektüre sucht. Ich konnte völlig in die Welt von »Der Dritte« eintauchen und die faszinierende Geschichte hat mich gänzlich mitgerissen.

Klappentext:

So überraschend, wie die Chuzpe seines Vaters als Soldat und bei der Manipulation des von den Nazis geforderten Ahnenpasses, sind die intimen Gespräche des Autors mit seiner Mutter, die sich um seine Zeugung und Geburt drehen sowie um ihre Ehe und ihre Sexualität. Geständnisse in einer für die Mitte des verklemmten 20. Jahrhunderts ungewöhnlich offenen Art. Ein Familienroman, der statt der traditionellen chronologischen Erzählweise ein augenzwinkerndes Spiel mit den Perspektiven treibt. Scheinen dem Autor, jüngster Sohn in der Familie eines Eisenbahners und einer Schneiderin in dem rheinischen Provinzstädtchen Opladen, in den Fehltritten seiner Vorfahren doch Erklärungen zu stecken für seinen eigenen unordentlichen Lebenslauf.

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"Es gibt nur einen Weg, um Kritik zu vermeiden: Nichts tun, nichts sagen, nichts sein" Aristoteles

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