»Es ist okay, wütend auf den Kapitalismus zu sein« von Bernie Sanders

Werbung. Herzlichen Dank an den Tropen Verlag für das Rezensionsexemplar.

Im Werk »Es ist okay, wütend auf den Kapitalismus zu sein« präsentiert Bernie Sanders eine Synthese aus Gegenwartsanalyse, Zukunftsvision und persönlicher Reflektion seines Politikerlebens. Er zeigt ein düsteres Panorama der Vereinigten Staaten, in dem der Kapitalismus die Ursache für massenhaftes gesellschaftliches Elend ist. In seiner Ursachenanalyse zeigt er die maßlose Gier von Konzernen sowie die Konzentration von Eigentum und Macht im amerikanischen Wirtschaftssystem. Exemplarisch führt Sanders Persönlichkeiten wie Jeff Bezos, den Gründer von Amazon, und den Vermögensverwalter Black Rock an, um die Funktionsweise dieser Dynamiken zu veranschaulichen. Jedoch vermeidet Sanders bewusst die isolierte Hervorhebung individueller Akteure und lenkt stattdessen den Blick auf die inhärente Struktur des Kapitalismus.

Das Buch ist ein Rundumschlag, Sanders erzählt von seinen persönlichen Erfahrungen als Politiker, der seit 50 Jahren gegen diese Mechanismen aktiv ist, von den Herausforderungen während der Präsidentschaftsvorwahlen 2020 gegen Joe Biden sowie die anschließende Unterstützung in den Hauptwahlen. Auch am politischen System spricht er offene Kritik aus. Hervorzuheben ist dabei, dass die Kritik sich nicht nur auf die Republikaner erstreckt, sondern er moniert auch seine Parteigenossen, die Demokraten für ihre Distanzierung von der Arbeiterschicht. Sanders unterstreicht, dass die politischen Entscheidungen der Bevölkerung hinterherhinken, und fordert Reformen wie eine staatliche Krankenkasse, Jobgarantien, Reichensteuer und kostenfreie Bildung. Diese Forderungen, die breite Unterstützung in Umfragen finden, verdeutlichen Sanders‘ Überzeugung, dass individuelle Freiheit ohne finanzielle Absicherung nicht realisierbar ist.

Interessanterweise bezieht Sanders bei seiner Analyse europäische Staaten, insbesondere Deutschland, ein und würdigt deren Sozialsysteme als vorbildlich. Jedoch vernachlässigt er dabei möglicherweise lokale Probleme, was einen kleinen blinden Fleck in seiner Argumentation darstellen könnte.

Die grundlegende Kritik am Neokapitalismus, oder Hyperkapitalismus, wie Sanders ihn bezeichnet, ist jedoch auch in Europa relevant. Seiner Ansicht nach sollte ein System, das auf Gier, rücksichtsloser Verfolgung von Eigeninteressen und Korruption beruht, abgeschafft werden.

Sanders vermittelt seine Gedanken klar und leicht verständlich und präsentiert glaubwürdige, überzeugende Lösungsvorschläge. Insgesamt liefert das Buch eine provokante und tiefgründige Analyse, die Anlass zur weiteren Diskussion über die Auswirkungen des Kapitalismus gibt. Zugleich ist das Buch, durch seinen engagierten Schreibstil ein Plädoyer für zivile Rechte der Bevölkerung, Solidarität und einen Sozialstaat – für eine menschlichere Welt. Bei all dem ist Sanders seine wachsende Wut über die Zustände anzumerken – was ich positiv meine.

Von mir gibts eine klare Leseempfehlung für alle, die sich für Politik interessieren.

Klappentext

Dieses Buch ist Bernie Sanders Vermächtnis. Ein bewegendes Zeugnis davon, dass sich Ehrlichkeit in der Politik auszahlt. Es ist eine Abrechnung mit den Superreichen und ein Wegweiser für die nächste Generation. Eine Anleitung, welche Schritte es jetzt braucht, damit alle Menschen in Würde leben können.

Der ungezügelte Kapitalismus treibt die globale Ungleichheit unaufhaltsam voran, er untergräbt unsere Demokratie und zerstört unseren Planeten. Für Bernie Sanders, den zweifachen US-Präsidentschaftskandidaten, gibt es nur einen Ausweg: Wir müssen dem unmoralischen Prinzip, das von hemmungsloser Gier angetrieben wird, endlich ein Ende setzen – und die Würde des Menschen ins Zentrum aller gesellschaftlichen Überlegungen rücken.

Bibliografische Angaben

ISBN: 978-3-608-50220-6
Verlag: Tropen Verlag
Erscheinungsdatum: 14.10.2023
Seiten: 432, Hardcover

Über den Autor

Bernard »Bernie« Sanders, geboren 1941 in New York City, ist US-amerikanischer Politiker und vertritt seit 2007 den Bundesstaat Vermont im Senat. Er bewarb sich zweimal um das höchste politische Amt der USA. Als Kandidat bei der Vorwahl der Demokraten zur Präsidentschaftswahl 2016 gelang es ihm, viele junge Wählerinnen und Wähler für seine Reformvorstellungen zu begeistern. Vor seiner politischen Laufbahn arbeitete er u. a. als Dokumentarfilmer, Zimmermann und in verschiedenen sozialen Einrichtungen.

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"Es gibt nur einen Weg, um Kritik zu vermeiden: Nichts tun, nichts sagen, nichts sein" Aristoteles

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