»Funk in Wuppertal« von Benjamin Fredrich

Werbung. Herzlichen Dank an den Katapult Verlag für das Rezensionsexemplar.

Die ganze Welt scheint eine einzige Misere zu sein – Klimawandel, Neo-Faschismus, Kriege. Es fällt mir schwer, mich nicht damit zu befassen, da kann einem echt die Laune in den Keller rutschen. Da kommt dieses Buch gerade richtig. Es ist kein bedrückendes Buch, sondern eines, was von der ersten Seite an unterhält – gute Laune macht.

Mit einer lockeren, satirischen Attitüde erzählt Fredrich die Story und zieht einen sofort so tief in die Geschichte hinein, dass man sofort darin feststeckt. Der Autor nimmt uns mit auf eine wahre Achterbahnfahrt durch Geschichten aus dem Redaktionsalltag – und das ist kein 0815-Redaktionsalltag. Gleich zu Beginn erzählt er, wie sie eine alte, heruntergekommene Schule renovieren, um die Redaktion unterzubringen. Alle packen mit an und schon gehts in den Baumarkt. Die Dachpappe, die sie da mitnehmen, könnte einen halben Fußballplatz bedecken. Einfach herrlich, und das ist erst der Anfang auf diesen 200 Seiten voller Posse.
Benjamin Fredrichhat so einiges zu berichten, aus seinem Leben als Gründer und Chefredakteur bei KATAPULT, als Autor und frischgebackener Verleger. Und das macht er in einem Ton voll nonchalanten Flapsigkeit. Als Lesende bekommen wir einen satirischen Blick hinter die Kulissen der Redaktion, dieses bunte Treiben dort. Besonders schräg wirds, wenn der Zoll plötzlich auf der Baustelle auftaucht und einfach nichts zu meckern findet. Und wie war das noch mal mit dem Merkel-Besuch? Gehts da nur um ein PR-Selfie oder was? Ein subversiver Vibe durchzieht das ganze Buch, das wohl ganz der Persönlichkeit des Autors entspringt.
Doch es gibt auch emotionalere Töne, aber nie so, dass die gute Laune vergeht. Zum Beispiel, wenn es um den Krieg in der Ukraine geht und um die Kriegsflüchtlinge. Er erzählt von seinen abenteuerlichen Reisen als Journalist. Von einer abenteuerlichen Autofahrt nach Kiew, voll ausgerüstet mit Helmen und schusssicheren Westen. Wie viel davon wirklich wahr ist? Keine Ahnung, manchmal schreibt das Leben eben die besten Geschichten selbst.

Der Schreibstil ist frisch, frech, Fredrich kann Alltagszeug so erzählen, als passiere eine verrückte Sache nach der anderen. Und mit den Zeitebenen hält er es so wie im wilden Westen – keine festen Regeln, er springt hin und her. Aber das ist wohl so, wenn Geschichten erzählt werden, in denen alles wild durcheinandergeht, und dann Eins zum Anderen kommt.

»Funk in Wuppertal« hat den Untertitel »Die Redaktion II« und knüpft da an, wo »Die Redaktion« aufgehört hat. Aber man kann auch hier einsteigen, ohne den ersten Teil gelesen zu haben. Ich persönlich besorg mir den ersten Band umgehend, denn dieser Roman hier hat mir ein paar richtig unterhaltsame Stunden beschert, in denen ich mal kurz all die Weltsorgen vergessen konnte. Aber das Buch ist nicht oberflächlicher Klamauk. Hinter all dem Witz steckt auch ein Statement gegen rechte Propaganda, Dummheit und Populismus. Ironische Geschichten direkt aus dem chaotischen Leben der Katapult-Redaktion – so würde ich den Roman zusammenfassen.

Also gibts von mir eine klare Leseempfehlung, nicht nur für die KATAPULT-Fans – die sollten es sowieso ausnahmslos lesen – sondern für alle, die außergewöhnlichen Journalismus mögen und die, die mal ein paar Stunden die Weltprobleme auf stumm schalten wollen.

Klappentext

Als Layouter Tim eintausend Quadratmeter Dachpappe für ein dreißig Quadratmeter großes Dach bestellt und Rico zwei schwere Müllsäcke mit letzter Kraft aus dem Wald schleift, ist es so weit: Die Greifswalder Polizei nimmt ihre Ermittlungen auf. Der weltweit erste Baustellenroman entpuppt sich als echter Müllsack-Krimi. Im Mittelpunkt steht KATAPULT, das eine riesige DDR-Schule renoviert, sich damit einigermaßen verzettelt und sein wachsendes Team nicht annähernd unter Kontrolle hat. Als Chefredakteur Benni F. herausfindet, was sich tatsächlich in den Müllsäcken befindet, wird ihm klar, dass er kurz vor der Katastrophe steht. Funk in Wuppertal ist die Fortsetzung von „Die Redaktion“.

Bibliografische Angaben

ISBN: 978-3-948923-56-3
Verlag: Katapult Verlag
Erscheinungsdatum: 04.08.2023
220 Seiten, Hardcover

Avatar-Foto
Über franzosenleser 73 Artikel
"Es gibt nur einen Weg, um Kritik zu vermeiden: Nichts tun, nichts sagen, nichts sein" Aristoteles

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*