MIT UNS WÄRE ES ANDERS GEWESEN – Éliette Abécassis

Werbung. Herzlichen Dank an Arche Literatur Verlag für das Rezensionsexemplar.

»Die Hälfte der Fehler, die wir begehen, sind überstürztem Handeln geschuldet, die andere Hälfte fehlendem Tatendrang.« S. 38

Wie schon in EINE UNWAHRSCHEINLICHE BEGEGNUNG setzt sich Abécassis auch hier mit dem Thema auseinander, wie ein einziger Augenblick das Leben verändern kann.

Als Amélie und Vincent sich in jungen Jahren in Paris treffen, fühlen sie ein starke Verbundenheit. Aus Angst, den Moment zwischen ihnen zu zerstören, ergreifen sie keine Initiative. Dennoch verabreden sie sich zu einem Treffen, zu dem Amélie aber zu spät kommt. Ein Zögern, dass ihr ganzes Leben überschatten soll. Doch das Schicksal lässt Amélie und Vincent immer wieder aufeinandertreffen, wenn auch in den ungünstigsten Momenten. Die jeweiligen Ehen der beiden verlaufen alles andere als harmonisch. Es ist ein steter Kampf – bleiben oder ausbrechen. Immer überschattet von der Frage: »Wäre es mit uns anders gewesen?«
Es ist eine Geschichte über verpasste Chancen, stetigem Zweifel, teils auch Mutlosigkeit, des Bedauerns. Die Angst, Vertrautes aufzugeben und Risiken einzugehen. Auf nur 144 Seiten, auf denen wir die Leben von Vincent und Amelie quasi im Schnelldurchlauf erleben, spüren wir immer die Sehnsucht der beiden. Desto älter man ist, umso mehr wird man das mitfühlen können.

»Die Hälfte der Fehler, die wir begehen, sind überstürztem Handeln geschuldet, die andere Hälfte fehlendem Tatendrang.« S. 38

Die Geschichte ist eine fragmentarische Betrachtung zweier Leben ohne Schnörkel und Details. Die große Frage, die uns gestellt wird, ist: WAS WÄRE WENN … Wir alle haben sie uns schon gestellt, dabei Dinge bereut oder Dankbarkeit gezeigt. Amélie und Vincent fragen sich das 30 Jahre lang.

Auch wenn mich dieser Roman nicht so abholen konnte wie EINE UNWAHRSCHEINLICHE BEGEGNUNG, so hat er es trotzdem geschafft, dass ich mich in vielen Momenten wiederfinden konnte. Die Pariser Atmosphäre war oft präsent, die Sehnsucht der beiden spürbar. Sprachlich hätte ich mir einen runderen Fluss gewünscht, wie in ihrem anderen Buch. Vielleicht lag dies an der Übersetzung (diesmal von Julia Schoch), dass die französische Melancholie mich diesmal nicht so tief erreichen konnte.

»Das Schicksal entsteht, so scheint es, aus einer Kurzschlusshandlung, einem winzigen Detail, das uns in diese oder jene Richtung abbiegen lässt. Ein Würfelwurf, der vielleicht nicht den Zufall abschafft, aber letztlich doch alles bestimmt.« S. 45

Klappentext

Amélie und Vincent treffen sich in jungen Jahren an der Sorbonne in Paris. Aus tiefen Blicken wird eine Nacht, in der sie an der Seine entlangspazieren. Im Morgengrauen verabreden sie sich für den nächsten Tag. Vincent kommt, Amélie nicht. Zerfressen von Unsicherheit befürchtet sie, Vincents Interesse könne nicht ernst gemeint sein. Als sie schließlich doch zum Treffpunkt eilt, ist Vincent fort. Jahre vergehen, Vincent und Amélie erleben andere Leidenschaften und andere Ernüchterungen. Sie gehen Ehen ein, bekommen Kinder und warten auf ein Familienglück, das sich nicht einstellt. Der Zufall und später das Internet führen die Wege der beiden über den Verlauf von dreißig Jahren immer wieder zusammen. Mittlerweile steht jedoch etwas viel Größeres zwischen ihnen als Unsicherheit: das Leben.

Über die Autorin

Éliette Abécassis, geboren 1969 in Straßburg, ist Autorin und Pro-fessorin für Philosophie. Ihr erster Roman, Qumran, wurde zum inter-nationalen Bestseller, der in achtzehn Ländern erschien. Neben ihrer Expertise für historisch-religiöse Themen wird Éliette Abécassis heute für ihre literarische Betrachtung von Partnerschaft im 21. Jahrhundert geschätzt. Sie ist Mutter zweier Kinder, engagiert sich für Frauen- und Kinderrechte und lebt in Paris.

Bibliografische Angaben

ISBN: 978-3-7160-2797-4
Verlag: Arche Verlag
Erscheinungsjahr: 1. September 2022
Übersetzung: Julia Schoch
Seiten: 442, Hardcover

Die Übersetzerin


Julia Schoch ist Autorin mehrerer Romane, u. a. von Mit der Geschwindigkeit des Sommers und Schöne Seelen und Komplizen. Aus dem Französischen hat sie neben anderen Fred Vargas übersetzt. Für ihre Übertragung von Georges Hyvernauds Haut und Knochen wurde sie mit dem André-Gide-Preis für Literaturübersetzungen ausgezeichnet.

Pressestimmen

»In diesem dichten Roman wird geliebt, geheiratet, geschieden, gescheitert und dennoch immer wieder gehofft. Wie bei Patrick Modiano ist Paris dabei ein zentraler Akteur und führt die Figuren durch die Korridore der Zeit.« Le Figaro


»Éliette Abécassis ist eine genaue Beobachterin der unterschiedlichen Gesichter der Liebe. Ihr Roman erzählt von den verpassten Gelegenheiten, die jeder kennt, und von der unerschütterli-chen Hoffnung, dass es niemals zu spät ist.« Avantages Magazin


»Ein überzeugender Roman über die Komplexität menschlicher Beziehungen und die Unerfüll-barkeit unserer Wünsche.« Version Femina Magzin


»Ist das Fantasieren einer Beziehung, die nie zustande gekommen ist, ein Weg, um dem wahren Leben zu entfliehen? Dieses Buch wirbelt seine Leser*innen herum, führt von einer Etappe des verpassten Lebens zur nächsten, um letztlich zu fragen: Ist nicht alles im Leben ein Kompro-miss?« Arts Libre

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Es kommt darauf an, einem Buch im richtigen Augenblick zu begegnen. Hans Derendinger