HAUS DER MÄDCHEN – Andreas Winkelmann

Leni Fontane, eine unsichere junge Frau, kommt wegen eines Verlagspraktikums nach Hamburg. In ihrer Unterkunft, einem BedtoBed, lernt sie Vivian kennen. Vivian ist das ganze Gegenteil von ihr, lebenslustig, unbedarft und auf der Suche nach dem Millionär fürs Leben. Doch am nächsten Morgen ist sie verschwunden. Wie schon andere Mädchen vor ihr.
Kurz zuvor beobachtet Frederic »Freddy« Förster, der auf der Straße lebt, einen Mord in einem weißen Lieferwagen. Der Ermittler der Hamburger Kripo Jens Kerner findet schnell einen Zusammenhang beider Fälle. Alle drei machen sich auf die Suche nach dem mutmaßlichen Täter.

Winkelmann versteht es, die vielen kleinen Wasserwege in HH für eine besondere Spannung bei der Jagd auf den Mörder zu nutzen. Er schreibt zügig und flüssig, so dass ich das Buch innerhalb kürzester Zeit weggelesen hatte. Durch die verschiedenen Perspektiven bekommt man einen guten Einblick in die gut ausgearbeiteten Figuren. Das Figurenensemble an sich war überschaubar. So weit ein solider gut konstruierter Thriller. Allerdings hat er mich jetzt auch nicht sonderlich vom Hocker gerissen. Er hatte keine Längen und keine gröberen Schnitzer. Ihr seht schon, ins Schwärmen gerate ich nicht gerade. Es war, wie jeden Tag Leberwurstbrot essen – zwar ein anderer Metzger, aber Leberwurst bleibt Leberwurst.

Ich hab natürlich wieder genau hingesehen und dabei sind mir doch einige Sachen aufgestoßen. Viele störts vielleicht nicht, mich schon. Der Spitzname des Kommissars ist Dirty Harry – leider seit 20 Jahren überstrapaziert und nicht im Ansatz zutreffend oder lustig. Leni wird von allen »Landei« genannt – zurecht, leider sind einige ihrer Handlungen nicht stimmig mit ihrem Charakter. Potenzielle Verdächtige gab es nicht viele, die falsche Fährte zu offensichtlich, manche Hinweise zu plump. Was mich aber am meisten gestört hat:
Welcher Ermittler überlässt einem Penner (ja der Begriff steht tatsächlich so im Buch) die Obduktion eines potenziellen Mörders?

Klappentext

Schweig, um zu leben
Leni kommt nach Hamburg, um dort ein Praktikum zu machen. Über eine Zimmervermittlung mietet sie sich in einer Villa am Kanal ein. Schnell freundet sie sich mit ihrer Zimmernachbarin an – aber die ist am nächsten Morgen spurlos verschwunden. Weil ihr das merkwürdig vorkommt, sucht sie nach ihr.
Freddy Förster, früher erfolgreicher Geschäftsmann, ist inzwischen auf der Straße gelandet. Zufällig beobachtet er, wie jemand einen Mann am Steuer seines Autos erschießt. Um nicht zum nächsten Opfer zu werden, sucht er den Mörder.
Bis er auf Leni trifft, die das Verschwinden ihrer neuen Freundin nicht hinnehmen will. Bald begreifen die beiden, dass ihre beiden Fälle mehr miteinander zu tun haben, als ihnen lieb ist – und dass sie in großer Gefahr schweben…

Über den Autor

Andreas Winkelmann, geboren 1968 in Niedersachsen, ist verheiratet und hat eine Tochter. Er lebt mit seiner Familie in einem einsamen Haus am Waldrand nahe Bremen. Wenn er nicht gerade in menschliche Abgründe abtaucht, überquert er zu Fuß die Alpen, steigt dort auf die höchsten Berge oder fischt und jagt mit Pfeil und Bogen in der Wildnis Kanadas.

Bibliografische Angaben

ISBN: 978-3-499-27516-6
Verlag: Rowohlt Verlag
Erscheinungsjahr: 2018
Seiten: 397, Taschenbuch

Avatar-Foto
Über ein.lesewesen 286 Artikel
Es kommt darauf an, einem Buch im richtigen Augenblick zu begegnen. Hans Derendinger