DIE FRAU AUS DEM MEER – Andrea Camilleri

Gnazio Manisco, Sohn einer Tagelöhnerin, kehrt 1895 nach 25 Jahren aus Amerikazurück nach Hause. In Sizilien reicht sein Erspartes für ein kleines Stück Land am Meer. Eine kleine verwilderte Landzunge, um die sich Gerüchte ranken, der Vorbesitzer sei wahnsinnig geworden, weil er Stimmen aus dem Meer gehört habe. Als Gnazio mit 47 endlich heiraten will, ist ihm die alte Kräuterfrau Pina bei der Suche behilflich. Die junge Maruzza ist so schön, dass er sein Glück nicht fassen kann. Angeblich ist sie aber eine Sirene, doch das tut er als Spinnerei ab. Einiges scheint ihm dennoch merkwürdig. Mit ihrer fast 100-jährigen Urgroßmutter spricht sie in einer Sprache, die Gnazio nicht versteht (griechisch) und in den Nächten singt Maruzza mit einer Muschel. Auch die Urgroßmutter Minica säuselt ihm in einer verführerischen Stimme ins Ohr, von der er sich auf seltsame Weise angezogen fühlt.

Die Stimme der Alten brachte ihn gändlich durcheinander, denn sie hatte nicht die Stimme einer alten Frau, sondern die eines Kindes, genauer gesagt, die einer jungen Frau, warm und weich.“ S.54

Die Anwesenheit der zwei Frauen führt außerdem zu einem Selbstmord, den Gnazio sich nicht erklären kann. Doch er ist so vorn Maruzzas Schönheit geblendet, dass er den Gedanken, sie könnte einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben, beiseite schiebt.


Das Buch ist das erste aus seiner Metamorphosen-Trilogie, die sich alte Märchen und Mythen zu eigen macht. Alte Geschichten, die sich mit den frühen Sagen der griechischen Antike verweben und so früher sicherlich für einige schaurige Abende sorgte. Dazu gehören noch »Der Bahnwärter« und »Der Hirtenjunge«.

Camilleris Schaffen beschränkt sich längst nicht nur auf seine Krimis um Commissario Montalbano, obwohl sie ihm zu seinem internationalen Durchbruch verhalfen. Diese Romanreihe, die sich unabhängig lesen lässt, zeigt seine Vielseitigkeit und seine tiefe Liebe zu seiner Heimat Sizilien. Ein Mal mehr beweist er, dass er auch ein Meister der poetischen Worte ist. Seiner Erzählkunst kann man sich nicht entziehen. Der Roman ist ein Ausdruck der Sehnsucht nach einer fremden Welt, dem einfachen Leben auf dem Land und nicht zuletzt der Liebe, die doch stets ein Mysterium bleiben wird.

Klappentext

Maruzza Musumeci ist eine faszinierende Frau, von der eine geheimnisvolle Macht ausgeht. Als sie einwilligt, den einfachen Gärtner Gnazio zu heiraten, kann dieser sein Glück kaum fassen. Dass seine Frischangetraute behauptet, eine Sirene zu sein, nimmt er als liebenswerte Spinnerei hin. Doch mit der Zeit erscheint ihm Maruzzas Verhalten immer sonderbarer: Mit ihrer fast hundertjährigen Urgroßmutter redet sie in einer fremden Sprache, und in den Nächten steht sie auf dem Balkon und singt mit gespenstischer Stimme. Trotz der Geburt ihrer vier Kinder zieht es Maruzza immer wieder aufs Meer hinaus …
Ein märchenhafter Roman über die Liebe, das Leben in der Natur und die Sehnsucht nach einer anderen Welt.

Bibliografische Angaben

ISBN: 978-3-499-24945-7
Verlag: Rowohlt Verlag
Erscheinungsjahr: 02.04.2013
Übersetzung: Moshe Kahn
Seiten: 160, Taschenbuch

Über den Autor

Andrea Camilleri (1925–2019), in dem sizilianischen Küstenstädtchen Porto Empedocle (Provinz Agrigento) geboren, war Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur sowie langjähriger Dozent an der Accademia d’arte drammatica Silvio D’Amico in Rom. In seinem umfassenden literarischen Werk setzte er sich vornehmlich mit seiner Heimat Sizilien auseinander. Seine Romane um den beliebten Kommissar Salvo Montalbano wurden international zu Bestsellern, und seine Hauptfigur gilt weltweit als Inbegriff für sizilianische Lebensart, einfallsreiche Kriminalistik und südländischen Charme und Humor.

Pressestimmen

Camilleris sehnsüchtigster und poetischster Roman. La Repubblica

Der italienische Bestsellerautor wollte ein altes Märchen neu erzählen – und das ist ihm wunderbar poetisch gelungen. Ruhr Nachrichten

Eine Liebesgeschichte, die übernatürlich anmutet und doch von dieser Welt ist. Bild am Sonntag

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Es kommt darauf an, einem Buch im richtigen Augenblick zu begegnen. Hans Derendinger

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