DIE WELT VOR DEN FENSTERN – Tatjana von der Beek

Maia lebt mit Mutter, Tante, Onkel, Großmutter und Cousine, in einem abgeschiedenen Haus. Ihnen ist strengsten verboten, das Haus zu verlassen, denn die Welt da draußen ist gefährlich. Maia will es nicht so recht glauben, denn vor den Fenstern sieht alles so friedlich aus.

»Die Welt vor den Fenstern wirkte nicht bedrohlich auf mich, sondern anziehend.« S.44

Ihr Leben der Familie wird bestimmt von den Sternenlaufbahnen, die sie jede Nacht beobachten, selbst ihre Namen haben sie von den Sternen bekommen. Jeder darf einen einzigen persönlichen Gegenstand besitzen, den er/sie abgeben muss, wenn ein neuer gewünscht wird. Der Alltag der ziemlich schwierigen Familie verläuft tagtäglich nach dem gleichen Rhythmus, jeder hat seine festen Aufgaben, die er/sie erfüllen muss, wenn nicht, gibt es harte Strafen. Nichts darf hinterfragt oder angezweifelt werden.

Schnell war klar, worauf die Geschichte abzielt und das trieb mich an, das Buch recht zügig zu lesen. Doch schon am Anfang häufen sich die detaillierten Beschreibungen der Sterne und die Ausflüge in die Mythologie. Immer wiederkehrende Alltagssituationen, die starr ablaufen und von keinem außer Maia scheinbar hinterfragt werden, trugen nicht unbedingt zu einer hohen Spannung bei. Trotzdem lag jederzeit etwas Bedrohliches und Düsteres über den Geschehnissen. Maia erweist sich mit der Zeit als besonders gelehrig und klug, weshalb sie beizeiten von der Großmutter mit weiteren Aufgaben betreut wird, was natürlich ihre Neugier weiter befeuerte.
In der Geschichte, die aus Maias Sicht erzählt wird, blieben mir alle Charaktere unnahbar, auch Maia. Durch die ständigen Wiederholungen wurde es schnell langweilig und ich wollte eigentlich nur noch wissen, wie allen am Ende aufgelöst wird.

Zwar wird sehr gut dargestellt, wie Maia Schritt für Schritt hinter die einzelnen Ungereimtheiten und Geheimnisse kommt, aber das »Zwischendrin« zog sich in die Länge. Das harte und karge Leben hat die Autorin wirklich gut nachgezeichnet, auch einige interessante Ideen, wie alles in diesem Haus funktioniert, hat sie eingestreut. Besonders geschockt war ich, als etwas wirklich Unverhofftes passierte, das letztlich der Auslöser für Maias Rebellion wird.
Man kann dem Roman eine gewisse Eigenwilligkeit nicht absprechen. Das Leben einer fast sektenartigen Familie in einem abgeschlossenen Raum, was gewisse Regeln, Verbote und damit einhergehende Lügen bedingt, ist durchaus spannend gewesen. Ich wollte die ganze Zeit wissen, wie die Autorin das alles auflösen will. Aber das Ende hat mich mit meinen Fragen im Raum hängengelassen. Nicht, dass ich offenen Enden nicht mögen würde, aber hier fehlten logische Auflösungen und einige Erklärungen. Nach dem Lesen habe ich mich lange gefragt, was wohl hier die Message war. Vielleicht habe ich es nicht verstanden, aber für mich gab es da keine. In allem hat mich das Buch nicht unbedingt zufrieden, dafür aber ratlos zurückgelassen, deshalb gibt es auch keine klare Leseempfehlung von mir.

Klappentext

Eine Familie, die sich ihre eigene Welt in einem einzigen Haus erschaffen hat – bis eine von ihnen an deren Grenzen stößt.

Abgeschieden von der Außenwelt lebt die junge Maia mit ihrer Familie in einem großen Haus im Wald, das niemand je verlässt. Das Familienleben folgt seiner ganz eigenen Logik – alle haben ihre Aufgaben und folgen einem strengen Regelwerk, das von der Geschichte ihrer Vorfahren und dem Wissen über Astronomie geleitet wird. Die Sterne geben den Familienmitgliedern Namen und bestimmen in ihrerKonstellation auch das Zusammenleben. Doch Maia genügen die Geschichten irgendwann nicht mehr. Ist die Welt da draußen wirklich so gefährlich, wie es ihr seit ihrer Geburt gesagt wurde? Als die Älteren sich immer sonderbarer verhalten, hinterfragt sie zunehmend die Grenzen des Hauses und der Geschichten …

Über die Autorin

Tatjana von der Beek, geboren 1993, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Sie studierte Literarisches Schreiben und Lektorieren in Hildesheim, war Mitherausgeberin der BELLA triste, Teil der künstlerischen Leitung des Literaturfestivals PROSANOVA 2017 und Finalistin des 23. Open Mike. Sie hat bereits in mehreren Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Die Welt vor den Fenstern ist ihr Debütroman.

Bibliografische Angaben

ISBN: 978-3-7530-0062-6
Verlag: ecco Verlag
Erscheinungsjahr: März 2022
Seiten: 256, Hardcover

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Es kommt darauf an, einem Buch im richtigen Augenblick zu begegnen. Hans Derendinger