Die letzte Terroristin – Andre Georgi

Die letzte Terroristin von Andre Georgi, erschienen bei Suhrkamp (2018)

Dieser Thriller spielt in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Für seinen Roman hat der Autor sich von den Ereignissen um die dritte Generation der RAF inspirieren lassen. Trotz veränderter Namen und Orte sind die bekannten Attentate auf Alfred Herrhausen, Detlev Rohwedder und die Ereignisse um Bad Kleinen deutlich zu erkennen. Doch dies ist kein Roman, der auf Tatsachen beruht, Georgi hat lediglich diese geschichtlichen Eckpunkte verarbeitet. Das Buch erhebt keinen Anspruch auf geschichtliche Genauigkeit. Zumal zu den damaligen Vorgängen nur wenige Fakten bekannt sind und wo Unklarheit herrscht, da bietet sich Raum für Spekulation. Ideal, um einen Roman zu schreiben.

Im Mittelpunkt steht das Attentat auf den fiktiven Treuhandchef Hans-Georg Dahlmann. Der Kern der Geschichte sind nicht die bekannten historischen Tatsachen, sondern die beteiligten Personen, ihre Psyche, ihr Handeln und die Auswirkungen davon auf ihre Umwelt.

Es fällt schwer, den Erzählstil zu beschreiben. Teils kommen die Sätze in schneller, stakkatoartiger Art daher, fast abgehackt und doch passt es. Ein Buch, wie ein Film. Was auch nicht verwundert, da Georgi ein anerkannter Drehbuchautor ist. Diese Erzählart erweist sich als äußerst effizient, gibt dem Roman ein hohes Tempo und treibt einen als Leser*in regelrecht durch das Buch. Dem Autor gelingt es, die Atmosphäre der frühen 90er Jahre zu erzeugen.

Mich hat der historische Hintergrund für das Buch interessiert – der Mix dieser Fakten mit der Fiktion hat mich beim Lesen eingefangen. Auch wenn die Abfolge der Ereignisse bekannt ist, so war stets die Spannung gegeben: Kann das nächste Attentat verhindert werden?

Fazit: Für mich war es ein unterhaltsamer, stimmungsreicher Thriller, der mich teils durch den Erzählstil, teils wegen des gekonnten Spannungsaufbaus durch die Geschichte trieb.

Noch zum Autor: Dies war der zweite Roman von Andre Georgi. Für viele Folgen der Fernsehserie Tatort schrieb er die Drehbücher und auch für einige Verfilmungen von Ferdinand von Schirachs Büchern.

Avatar-Foto
Über franzosenleser 73 Artikel
"Es gibt nur einen Weg, um Kritik zu vermeiden: Nichts tun, nichts sagen, nichts sein" Aristoteles

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*