»Liebe Kinder oder Zukunft als Quelle der Verantwortung« von Markus Gabriel

Werbung. Herzlichen Dank an Kirchner Kommunikation und den Kjona Verlag für das Rezensionsexemplar.

Markus Gabriels Essay als zweiter Band der Publikationsreihe »Briefe an die kommenden Generationen« aus dem Hause des Kjona Verlags widmet sich auf eindrucksvolle Weise der Thematik des Kinderwahlrechts und des strukturellen Adultismus. Der renommierte Philosoph entfaltet dabei ein eindringliches Plädoyer für die Einbindung von Kindern und Jugendlichen in grundlegende Entscheidungsprozesse, insbesondere im politischen Kontext. Man sollte nie vergessen, auch wir sind nicht immer Erwachsene.

Gabriel durchleuchtet die Materie zunächst aus einer tiefgründigen philosophischen, wissenschaftlichen Perspektive, indem er die Unterschiede zwischen dem kindlichen und erwachsenen Bewusstsein analysiert. Hierbei stützt er sich auf die Erkenntnisse bedeutender Denker, integriert juristische Aspekte und eröffnet einen Zugang zur Kunst als Medium für die Ausdrucksform kindlicher Elemente im menschlichen Wesen. Die nahtlose Einbindung persönlicher Erfahrungen und Perspektiven verleiht dem Werk eine bemerkenswerte Zugänglichkeit.

Das Buch wirft einen schonungslosen Blick auf gesellschaftliche Begrenzungen, die durch den allgegenwärtigen Adultismus entstehen. Er konfrontiert uns Lesende mit einer kritischen Hinterfragung der vorherrschenden Annahme, dass Erwachsensein eine unumstößliche Norm des gesellschaftlichen Lebens definiert. In diesem Kontext kritisiert Gabriel paradoxe Erziehungsmuster, die Kindern vorrangig auf das Erreichen der Volljährigkeit vorbereiten.

Wir Erwachsenen können auch von kindlichen Empfinden und Denkmustern etwas lernen – das ist die essentielle Botschaft des Buches, wir sollten das als Ressource gesellschaftlicher Entwicklung sehen und nicht leichtfertig abtun. Es ist ein eindringlicher Appell zur Neuüberlegung unserer Perspektiven für die Zukunft und trägt bedeutend zur gesellschaftlichen Diskussion bei.

Fazit:

Ich möchte gar nicht auf die einzelnen Thesen, die in diesem Buch aufgestellt werden eingehen, denn darum geht es nicht. Der Wert dieses Textes liegt darin, eine notwendige gesellschaftliche Diskussion anzustoßen. Insgesamt betrachtet ist »Liebe Kinder oder Zukunft als Quelle der Verantwortung« ein bedeutender Beitrag, der zur kritischen Reflexion über die Gestaltung der Zukunft anregt. Der Text ist inspirierend und inhaltlich tiefgreifend. Gabriel ruft dazu auf, die Gesellschaft in Richtung einer verantwortungsbewussteren Zukunft zu lenken. Dieses Essay sollte daher in relevanten politischen und intellektuellen Kreisen ernsthafte Beachtung finden.

Begriffsklärung:

Und wer jetzt noch wissen möchte, was sich hinter dem Begriff Adultismus genau verbirgt, hier habe ich mich in der Begriffsklärung versucht:

Adultismus ist ein Begriff, der eine Form der Diskriminierung beschreibt, bei der Erwachsene systematisch Macht und Autorität über Kinder und Jugendliche ausüben, oft aufgrund der Annahme, dass Erwachsene nur wegen ihres Alters und ihrer Erfahrung überlegener sind. Ähnlich wie Sexismus oder Rassismus bezieht sich Adultismus auf Vorurteile, Stereotype und die strukturelle Benachteiligung einer bestimmten Gruppe, in diesem Fall jüngere Menschen.

Adultismus manifestiert sich in verschiedenen Bereichen des Lebens, vor allem in Bildung, Familie, Politik und Gesellschaft. Es kann sich in bevormundendem Verhalten, paternalistischen Gesetzen oder kulturellen Normen äußern, die Meinungen, Bedürfnisse und Rechte von Kindern und Jugendlichen nicht ausreichend berücksichtigen. In der Praxis kann Adultismus dazu führen, dass junge Menschen als weniger kompetent, weniger rational oder weniger fähig angesehen werden, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.

Der Begriff wurde eingeführt, um auf die strukturelle Ungleichheit und die negativen Auswirkungen hinzuweisen, die diese einseitige Machtverteilung haben kann. Befürworter der Kinderrechte setzen sich gegen Adultismus ein und fordern eine gleichberechtigte Behandlung von Kindern und Jugendlichen, die ihre Fähigkeiten, Perspektiven und Rechte anerkennt.

Über den Autor

Markus Gabriel ist einer der weltweit bekanntesten Vertreter eines Neuen Realismus in der Philosophie. Mit nur 29 Jahren wurde er zum jüngsten Philosophieprofessor Deutschlands berufen. Er hat den Lehrstuhl für Erkenntnistheorie und Philosophie der Neuzeit an der Universität Bonn inne und ist seit 2022 Akademischer Direktor an The New Institute in Hamburg.

Bibliografische Angaben

ISBN: 978-3-910372-08-5
Verlag: Kjona Verlag
Erscheinungsjahr: August 2023
80 Seiten. Gebunden. Fadenheftung.

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Über franzosenleser 73 Artikel
"Es gibt nur einen Weg, um Kritik zu vermeiden: Nichts tun, nichts sagen, nichts sein" Aristoteles

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