DER KLÜGERE LÄDT NACH – Castle Freeman

»Die Leute in diesen kleinen Orten gehen letztlich dahin, wohin sie müssen, aber sie lassen sich nicht antreiben. Man muss sie in ihrem eigenen Tempo gehen lassen. Alles regelt sich – nicht immer auf eine perfekte, ordentliche, sanfte oder auch nur gerechte Art.« S. 35

In diesem Teil der Reihe bekommt es Lucian Wing mit einigen Veränderungen zu tun und die Frage ist, ob er auch diesmal alles so leicht aussitzen kann.
Seit kurzen schläft der Sheriff auf dem alten Sofa in seinem Büro, denn seine Frau Clemmie hat ihn rausgeschmissen. Gleichzeitig sitzt ihm der neue Gemeinderatsvorsitzende Stephen Roark im Nacken und fordert die Aufklärung eines Falls, bei dem ein junger Rowdy schwer verletzt wurde. Doch wie immer sieht Wing keinen Handlungsbedarf, da der Rowdy aus der Stadt verschwunden ist. Außerdem schreitet die Demenz seiner Mutter immer weiter fort, so dass Wing und sein Bruder etwas unternehmen müssen. Mit seiner unendlichen Geduld scheint es vorbei zu sein. Oder doch nicht?

Stephen Roark ist ein Zugezogener, der meint, er wisse alles besser. Der Pensionär, der früher im Pentagon gearbeitet hat, wirbelt ganz schön viel Staub auf. Er will die Hinterwäldler auf Trab bringen und das schmeckt weder Wing noch seinen alten Kumpels. Und da wäre noch Wings neuer Deputy, Olivia Gilfeather, den ersten weibliche Deputy, den es je hier gab. Und sie hat nach zehn Jahren im Marine Corps so ihre eigene Vorstellung davon, wie man Probleme löst.

Wing ist noch immer der Typ, der weiß, dass sich manche Dinge von selbst regeln. Aber manchmal muss man zwar etwas nachhelfen, damit hier im beschaulichen Vermont alles seinen gewohnten Gang geht. Und darum geht es diesmal, denn aus »Nachhelfen« wird Selbstjustiz.

Wir erfahren in diesem Teil einiges mehr über den gelassenen Sheriff, über seine Vergangenheit, wie er überhaupt zum Sheriff wurde und natürlich über seine Familie, die es echt in sich hat. Lang gehütete Geheimnisse werden gelüftet und man tut gut daran, den Sheriff nicht zu unterschätzen, denn er kann auch anders. Er weiß, wann es gilt zu handeln. Und das stellt er in dieser Story unter Beweis.
Freeman ist ein sehr genauer Beobachter und daher sind seine Figuren wohl auch immer das Besondere in seinen Romanen, die, selbst, wenn sich nichts tun, noch unterhaltsam und interessant sind. Aber hauptsächlich ist es sein lakonischer Humor, den er seinen Hinterwäldlern auf den Leib geschrieben hat. Ohne Schmunzeln kommt man einfach nicht durch seine Bücher. Doch das Beste sind wie immer seine trockenen Dialoge.
Damit wurde auch dieser Teil der Lucian-Wing-Reihe für mich ein kurzweiliges, unterhaltsames Leseerlebnis, das ich gern weiter empfehle.

Klappentext

Sheriff Lucian Wings Erfolgsgeheimnis ist die Geduld. Doch nun hat seine Frau ihn rausgeworfen, und der neue Vorsitzende hält von Geduld nicht viel. Als sich in der Gegend einige kuriose Unfälle ereignen, bei denen junge Rowdys zu Schaden kommen, will der Vorsitzende die Fälle geklärt haben. Der Sheriff muss das Problem auf eine ganz neue Art lösen. Gefährlich sind nämlich nicht nur die bösen Jungs, sondern auch diejenigen, die die Gesetze selbst in die Hand nehmen … Auch in seinem dritten Thriller erzählt Castle Freeman mit trockenem Humor und meisterhafter Verdichtung und zeigt uns die USA von einer anderen Seite.

Bibliografische Angaben

ISBN: 978-3-312-01058-5
Verlag: Nagel & Kimche
Erscheinungsjahr: 2017
Übersetzung: Dirk van Gunsteren
Seiten: 208, Hardcover

Über den Autor

Castle Freeman wurde 1944 in San Antonio, Texas, geboren. In Chicago aufgewachsen, studierte er an der Columbia University. Heute lebt er in Vermont, arbeitete als Redakteur und schreibt Short Stories und Romane. Sein Roman »Männer mit Erfahrung« (Nagel & Kimche, 2016) wurde 2015 mit Anthony Hopkins, Julia Stiles und Ray Liotta verfilmt.

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Es kommt darauf an, einem Buch im richtigen Augenblick zu begegnen. Hans Derendinger

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